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Heute beginnt der Abriss der Esso-Häuser auf der Reeperbahn

Knapp zwei Monate nach der Evakuierung der einsturzgefährdeten „Esso-Häuser“ will die Bayerische Hausbau mit den Abrissarbeiten im Inneren der Gebäude auf der Reeperbahn beginnen.

Einen konkreten Zeitplan für den Neubau gebe es noch nicht, die Bayerische Hausbau will auf dem Gelände neue Wohnungen mit einer Bruttogeschossfläche von insgesamt 19.500 Quadratmetern schaffen. Um die Esso-Häuser gibt es seit Jahren viel Streit! Mieter, Initiativen und Kritiker beklagen, dass die Gebäude von den Eigentümern mit Absicht dem Verfall preisgegeben worden waren, um sie abreißen und neue Luxuswohnungen bauen zu können. 

Der Abriss trifft nicht nur die Mieter, sondern bedeutet auch das Ende für  legendäre Clubs wie „Molotow“ und „Hörsaal“, oder die berüchtigte Esso-Tankstelle.

Esso-Tankstelle Reeperbahn: Ende einer Legende

Die Lage, die Kunden aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und der Service haben die Tankstelle auf St.Pauli weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht. Doch nun muss die Legende ihren Platz räumen: Grund ist das Drama um die maroden und vom Einsturz bedrohten Esso-Häuser.

Es gab wohl kaum einen Ort, an dem so viele unterschiedliche Menschen aufeinandertrafen, weshalb man die Tankstelle auch „Marktplatz von St. Pauli“ oder „Kiez-Kult-Tanke“ nannte. Für die Anwohner war sie tagsüber Nahversorger und Treffpunt zum klönen, für die Nachtschwärmer Start und Endpunkt einer Kiez-Tour und für Autofahrer eine Tankstelle mit jeder Menge Service ─ 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr. Grund genug das zahlreiche Fernsehsender Reportagen vom Alltag der Kult-Tanke drehten, zuletzt Spiegel TV mit dem Titel „Mehr Sprit für St. Pauli„.

Kiez-Tanke muss den Platz räumen

Für viele gehörte zum St. Pauli-Besuch ein Abstecher bei der Esso-Tankestelle an der Taubenstraße einfach dazu, nun ist die Tankstelle für immer dicht! Auch andere etablierte Läden mussten ihre Türen wegen den Einsturz bedrohten Esso-Häuser schließen, wie beispielweise der Western-Laden „Hundertmark“. Das Geschäft gehörte fest zum Spielbudenplatz, doch nun musste die 50-jährige Erfolgsgeschichte auf St. Pauli ein jähes Ende erfahren.

Esso Tankstelle auf St. Pauli in Einsturzgefahr

Das Molotow, der Kult-Kellerclub am Spielbudenplatz, steht ebenfalls vor dem endgültigen Aus. Viele Künstler die heute große Bühnen rocken haben hier ganz klein angefangen: Billy Talent, Mando Diao oder die Sportfreunde Stiller um nur einige zu nennen. Jetzt muss die Kiez-Institution „Molotow“ schließen, einziger Hoffnungsschimmer wäre ein Ausweichquartier, doch die Suche gestaltet sich bislang schwierig.

TV-Reportage über die Esso-Tankstelle auf St. Pauli

Wie schon zu Beginn dieses Artikels erwähnt, gibt es zahlreiche TV-Reportagen die sich der Kiez-Tankstelle widmen – hier wohl der bekannteste Fernsehbeitrag „Mehr Sprit für St. Pauli“ von Spiegel TV.

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Abriss der Esso-Häuser fast schon beschlossene Sache

Die maroden Esso Hochhäuser auf St. Pauli sollen abgerissen werden,  so der Wunsch des Investors „Bayrische Hausbau“ – doch von Beginn an gibt es viel Gegenwind von Mietern und Kiezanwohnern. Nun allerdings könnte die Diskussion um den Erhalt der Häuser schnell beendet werden.

Um Aktivisten den Wind aus den Segeln zunehmen, versprach der Investor den Mietern zuletzt nahe gelegene Ersatzwohnungen und Rückkehrrecht. Die Mieter allerdings sind skeptisch und trauen diesen Zusagen nicht. Nun könnte die Diskussion allerdings ein Ende nehmen, denn angeblich hat die Bayerische Hausbau als Eigentümer bereits Anfang August einen Abrissantrag gestellt, der sowohl von Bezirk als auch Politik Unterstzütung findet.

Gegenüber der Tageszeitung WELT bestätigte Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD): „Wir müssen diesen Abrissantrag voraussichtlich genehmigen. Eine Ablehnung könnte es nur dann geben, wenn rechtliche Voraussetzungen dagegen sprechen, und die gibt es aus jetziger Sicht nicht.“ Bis spätestens Juli 2014 müssen also die 107 Wohnungenen vollständig geräumt sein: „Auf Grundlage des Gutachtens, das massive Schäden an der Bausubstanz festgestellt hat, werden wir zum 1. Juli 2014 oder vielleicht ein paar Wochen später, die Gebäude für unbewohnbar erklären müssen“, so Andy Grote.

Vergangenen Mittwochabend stellte der Bezirk ein Gutachten vor, dass nochmals bestätigt dass die Immobilie einsturzgefährdet sei. Die Stimmung im Ballsaal des Millerntorstadions war dementsprechend angespannt, etwa 250 interessierte St.Paulianer waren dabei. Bezirksamtsleiter Grote sagte bereits zu Beginn der Veranstaltung, das Gutachten lasse keinen realistischen Spielraum zum Erhalt der Esso-Häuser. Für Grote sind die Ergebnisse des Gutachtens klar deutlich: „Es könne keine Lösung diskutiert werden, die keine ist“, so der Bezirksamtsleiter. (Quelle: Die Welt)