Politik und Wirtschaft: Gemeinsam gegen Wirtschaftskriminalität

Politik und Wirtschaft: Gemeinsam gegen Wirtschaftskriminalität

Obwohl Wirtschaftskriminalität nur einen kleinen Anteil aller verübten Straftaten in der Bundesrepublik Deutschland ausmacht, sind die Folgen umso schwerwiegender. Die dadurch entstandenen Schäden belaufen sich etwa auf die Hälfte aller Schäden, die insgesamt durch Straftaten entstehen und sind eine große Belastung für Staat und Wirtschaft.

Da auch die Hamburger Wirtschaft von der unterschätzten Gefahr betroffen ist, arbeitet diese seit 2008 offiziell mit dem Hamburger Senat zusammen. Gemeinsam sagt die „Kooperation gegen Wirtschaftskriminalität und Wirtschaftsspionage Hamburg“ der Wirtschaftskriminalität den Kampf an.

Wirtschaftskriminalität als unterschätzte Gefahr

Wirtschaftskriminalität ist ein ernstzunehmendes Problem in der ganzen Bundesrepublik. Eine Umfrage der Handelskammer Hamburg brachte erschreckende Ergebnisse hervor: Demnach war jedes zweite der 414 befragten Hamburger Unternehmen bereits Opfer krimineller Handlungen, jedes vierte war sogar mehrfach betroffen. In den meisten Fällen richteten sich die Delikte gegen das Vermögen, beispielsweise durch Diebstahl oder Betrug. Die finanziellen Schäden, die dadurch verursacht wurden, bewegten sich durchschnittlich im sechsstelligen Bereich. Jedoch müssen neben den einmaligen auch die Folgekosten in Höhe von mehreren Millionen Euro getragen werden. Am häufigsten betroffen sind unsere mittelständischen Unternehmen.

Anhand der durch das Bundeskriminalamt erfassten Daten zeigt sich, dass 2013 zwar die Anzahl der Straftaten deutlich gesunken, dafür aber die Höhe der entstandenen Schäden um knapp zwei Prozent gestiegen ist. Die Dunkelziffer liegt vermutlich aber deutlich höher.

Auch Mitarbeiter können Täter sein

Der Begriff Wirtschaftskriminalität ist gesetzlich nicht definiert und hat aus diesem Grund viele Gesichter. Grundsätzlich aber, lassen sich die häufigsten Straftaten wie folgt zusammenfassen:

  • Untreue und Betrug, die häufigsten Ausprägungen.
  • Diebstahl, wie in dem von der Detektei Lentz beschriebenen Beispielfall eines Hamburger Teiledienstleiters.
  • Industriespionage, insbesondere solcher aus dem Ausland.
  • Produktpiraterie, Korruption und Wettbewerbsdelikte. Hiervon sind deutsche Unternehmen überdurchschnittlich oft betroffen.
  • Insolvenzdelikte, im Zusammenhang mit dem Insolvenzverfahren.
  • Unterschlagung, wie in dem auf ahoihamburg.net erläuterten Fall der Supermarkt-Kassiererin aus Hamburg.
  • Vandalismus und Sachbeschädigungen am Unternehmensbesitz, beispielsweise dem Firmenauto oder -Gebäude.

Was unternehmen Justiz und Wirtschaft?

Die polizeiliche Aufklärungsrate in wirtschaftskriminellen Fällen ist relativ hoch, doch gerade die entstehenden Kosten für die Unternehmen machen präventive Maßnahmen wie auch eine Früherkennung nötig. Für viele Firmen bedeutet dies, dass einem Verdacht auf möglichst diskrete Art und Weise nachgegangen werden muss. Aus diesem Grund werden häufig spezielle Wirtschaftsdetekteien engagiert, die alle nötigen Beweise sammeln und den Verdächtigen gegebenenfalls überführen können. In der Regel erstatten betroffene Unternehmen Strafanzeige, im Falle interner Verstöße werden arbeitsrechtliche Maßnahmen ergriffen.

Um das Problem einzudämmen, ist die Kooperation zwischen der Hansestadt Hamburg und der hier ansässigen Wirtschaft ein enorm wichtiger Schritt. Eine starke Zusammenarbeit des privaten und des öffentlichen Sektors ermöglicht Transparenz und eine offensive Herangehensweise aller Beteiligten. Von großer Bedeutung sind präventive Maßnahmen, die insbesondere die Cyber-Kriminalität verhindern. Kriminelle nutzen die technische Abhängigkeit der Unternehmen, um diese zu erpressen, Firmennetzwerke lahmzulegen oder um sich an dem Vermögen zu bereichern. Während die Straftäter aber immer raffinierter vorgehen, kommt die Polizei kaum nach.

Dem Mangel an geschultem IT-Personal wird bereits entgegengewirkt, indem verstärkt spezialisierte Ermittler im Internet auf Streife gehen. Dennoch besteht hier noch großes Verbesserungspotential, nur ein Viertel aller gemeldeten Cyber-Delikte konnte von der Polizei aufgeklärt werden.


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